Sporttherapie in der Pädiatrischen Onkologie
In den vergangenen Jahren konnte die Überlebensrate von Kindern und Jugendlichen mit onkologischen Erkrankungen deutlich gesteigert werden. Die notwendigen Therapien sind jedoch häufig mit vielfältigen Nebenwirkungen und Spätfolgen verbunden. Da Sport und Bewegung nachweislich positive Effekte auf die körperliche, psychische und soziale Gesundheit haben, untersucht die ExerBrain-Studie, inwiefern ein motorisch-kognitives Training die kognitive Leistungsfähigkeit, die Cancer-related Fatigue sowie die zentralnervöse Gehirnaktivität bei Patient:innen in der Akutphase beeinflussen kann.
Sport und Bewegung zeigen nachweislich positive Effekte auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene. Daher gewinnen unterstützende bewegungstherapeutische Interventionen auch in der kurativen Kinderonkologie zunehmend an Bedeutung. Ein zentrales Thema ist dabei die Cancer-related Fatigue, eine vielschichtige Symptomatik, die sich in Abgeschlagenheit, Ermüdung sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen äußert. Diese Begleiterscheinungen treten häufig während und nach einer Tumortherapie auf und können die Lebensqualität erheblich einschränken. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist besondere Aufmerksamkeit geboten, da die Folgen nicht nur den Alltag, sondern auch die schulische und berufliche Entwicklung nachhaltig beeinflussen können.
Mit Unterstützung der Marga und Walter Boll-Stiftung führt das Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft der Deutschen Sporthochschule Köln das Trainingsprojekt ExerBrain (Exercise and Brain) durch. Das Projekt ist in Kollaboration mit Projektpartnern an der Uniklinik Aachen und Bonn multizentrisch angelegt. Ziel ist es, krebskranken Kindern ein Training anzubieten, das körperliche Belastungsreize mit kognitiven Anforderungen verbindet. So sollen negative Begleiterscheinungen wie kognitive Einbußen, Cancer-related Fatigue und eine Verminderung der Lebensqualität abgemildert werden.
In die Studie sollen 40 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 18 Jahren eingeschlossen werden; sie ist auf einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt. Die Teilnehmenden absolvieren in fünf Wochen zehn Trainingseinheiten. Begleitend werden umfassende kognitive Tests sowie Fragebögen zu Fatigue, Zufriedenheit und körperlicher Belastungswahrnehmung eingesetzt. Im Mittelpunkt stehen zudem EEG-Untersuchungen, mit denen erstmals neurophysiologische Anpassungen von Trainingsreizen erfasst werden sollen.
Primäres Ziel ist es, zugrundeliegende neuro-physiologische Prozesse eines motorisch-kognitiven Trainings sowie deren Bedeutung für die kognitive Leistungsfähigkeit und die Cancer-related Fatigue zu erforschen. Es soll ein umfassendes, ein für Kinder und Jugendliche entsprechend spezifisches Training als wichtiger Therapiebestandteil zum Erhalt und zur Verbesserung körperlicher und kognitiver Leistungsfähigkeit gesichert werden.
Dr. Anna-Maria Platschek,
Projektleiterin, Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft, Deusche Sporthochschule Köln
